Beatles Anthology 2001

Meine Laudatio im Bayrischen Fernsehen, anlässlich der Verleihung des Buchpreises „Corine“ für die „Be­at­les An­tho­lo­gy“ 2001


Ein klu­ger Kopf soll ein­mal ge­sagt ha­ben: Die Mu­sik be­ginnt dort wo das Wort auf­hört. Heu­te aber - wer­den wir se­hen - das es auch an­ders he­rum kom­men kann.

Achim Reichel und Paul McCartney

Da­ es­ für mich als Mu­si­ker et­was brenz­lig scheint, aus­ge­rech­net hier vor den >Hü­tern der Wort­kunst< mit Wor­ten zu jon­glie­ren, will ich Ih­nen und mir den Ge­fal­len tun und mich mög­lichst kurz fas­sen. Ob­wohl es fasst ein Ding der Un­mög­lich­keit ist - bei ei­nem Preis­trä­ger des­sen Er­folgs­ge­schich­te für die­sem Pla­ne­ten ab­so­lut ein­ma­lig ist.

Ich er­in­ne­re mich noch ge­­nau, es war im April 1964. Da pas­sier­te et­was, das es nie zu­vor und bis heu­te auch nie wie­der ge­ge­ben hat. In­ den Ame­ri­ka­ni­schen-Hit­li­sten wa­ren die Plät­ze 1 bis 5 von ei­ner und der­sel­ben Mu­sik­grup­pe be­legt. Sie schrie­ben ih­re Lie­der selbst, sie be­glei­te­ten sich selbst auf ih­ren In­stru­men­ten und sie wa­ren Eng­län­der.

Und ob­wohl die ge­mein­sa­me, ak­ti­ve Zeit die­ser 4 Her­ren nur 8 Jah­re, näm­lich von 1962 bis 1970 dau­er­te, brach­ten sie das Wun­der fer­tig 30 Jah­re spä­ter mit ei­ner Al­bum-Zu­sam­men­stel­lung ih­rer al­ten Hits, zeit­gleich in 34 Län­dern der Er­de, den er­sten Platz zu be­le­gen. Wer kann so et­was schon von sich sa­gen ?

Wenn einem die gan­ze Welt zu­ Füs­sen lag, hat man mit Si­cher­heit viel zu­ er­zäh­len. Für mich ist die­ses Buch mit sei­nen per­sön­li­chen Er­leb­nis­be­rich­ten, Fo­tos und Gra­fi­ken, nicht nur we­gen sei­ner sat­ten 3 Ki­lo Ge­wicht, ei­ne rund­um ge­lun­ge­ne Sa­che.

Ich hat­te das sel­te­ne Ver­gnü­gen die­se Jungs in­ ei­ner Zeit ken­nen ­zu­ler­nen da sie noch weit ent­fernt von der­ar­ti­gen Su­per­la­ti­ven wa­ren. Ei­ne Zeit von der sie spä­ter sag­ten: "In­ Ham­burg sind wir er­wach­sen ge­wor­den".

Sie spiel­ten in di­ver­sen klei­ne­ren Clubs auf Sankt Pau­li und spä­ter dann auch im­ Star-Club.

Da­mals mach­ten wir mit den Ratt­les un­se­re er­sten mu­si­ka­li­schen Geh­ver­su­che. Für uns war es­ von un­schätz­ba­rem Wert in den Pau­sen ih­rer Auf­trit­te, zu­ ih­nen an den Büh­nen­rand zu­ ge­hen - um, bei­spiels­wei­se Ge­or­ge Har­ri­son, da­rum zu­ bit­ten, er­ mö­ge uns doch das Gi­tar­ren­vor­spiel von die­sem oder je­nem Song noch ein­mal ganz lang­sam vor­spie­len, da­mit ich dem Fin­ger­satz bes­ser fol­gen konn­te. Sie wa­ren uns eben weit vor­aus.

Spä­ter, als wir sie auf ih­rer ein­zi­gen Deutsch­land-Tour­nee be­glei­ten durf­ten, wa­ren wir die Num­mer 1 in­ Deutsch­land und sie die Num­mer 1 der Welt und un­ser Wie­der­se­hen hat­te leider eher den Char­me ei­ner Num­mer im Pro­to­koll.

Aber das war Ge­stern - Heu­te wol­len wir die ein­zig­ar­ti­ge Ge­schich­te der er­folg­reich­sten Pop­grup­pe des ver­gan­ge­nen Jahr­tau­sends in Form der „Be­at­les An­tho­lo­gy“ eh­ren.



Achim Reichel

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